Geschichte

Die Rheinbrohler Kirmes nach dem Krieg

Am 8. Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Ein furchtbarer Krieg, der auch in Rheinbrohl viele Spuren hinterlassen hatte. Nach dem Abzug der Amerikaner gehörte Rheinbrohl zur französischen Besatzungszone. An eine Vereinstätigkeit war zu dieser Zeit noch nicht wieder zu denken, die Bevölkerung hatte andere Sorgen, ein Essen auf dem Tisch zu haben, ein Dach über dem Kopf und Kleidung.

Doch bereits im Jahr 1946 trafen sich die jungen Männer des Ortes im einzig erhaltenen Schulgebäude um in einer Versammlung über die Wiederbelebung des Katholischen Junggesellenvereins Rheinbrohl nachzudenken. Die Initiative zu dieser Versammlung ging vom damaligen Bürgermeister Lorenz Girgenrath aus. In der Versammlung bildete man einen vorläufigen Vorstand, unter dem Vorsitz von Alois Rott, der sich um die Neuorganisation des Vereins kümmern sollte. Bereits in der ersten Woche erklärten 106 Männer ihre Bereitschaft wieder im Verein mitzuarbeiten. Am 2. Juli stellte der Verein bei der Militärregierung den Antrag auf Wiederzulassung. Die Erlaubnis wurde jedoch erst im März 1947 erteilt. Dies hielt die Rheinbrohler Junggesellen jedoch nicht davon ab schon 1946 wieder ihre erste Kirmes zu feiern.

Um die Kirmes wieder auf die Beine zu stellen waren jedoch große Anstrengungen zu tätigen, an denen sich der Junggesellenverein tatkräftig beteiligte. So mussten zum Beispiel große Mengen an Schutt vom Marktplatz entfernt werden und auch der Saal Maur wurde zumindest äußerlich wieder auf Vordermann gebracht, wobei auch die zukünftigen Ehrendamen tatkräftig mit angepackt hatten.

Am Kirmessamstag ging der Fackelzug um 20:30 Uhr unter Vorantritt der Blaskapellen aus Hönningen und Güls zum Pfarrhaus, wo dem Pfarrer Vogt ein Ständchen gespielt wurde. Gegen 21:30 Uhr erreichte man dann den Saal Maur, wo der 1. Vorsitzende Alois Rott den Kommers feierlich eröffnete. Bis in die späte Nacht hinein sorgte die Orchestervereinigung Rheinbrohl für gute Stimmung.

Um 6:00 Uhr am nächsten Morgen wurden die Vorstandsmitglieder dann mit einem Ständchen unter dem Motto „Freut euch des Lebens“ geweckt. Anschließend nahmen der Vorstand und die Blaskapelle einen Frühschoppen im Lokal „Franz Roos“ ein. Pünktlich um 9:00 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein, machte man sich dann mit den, vom Jungfrauen-Verein wiederhergestellten, Kirchenfahnen auf zur Messe, während dieser wurde auch der Hochaltar feierlich eingeweiht. Am Nachmittag fanden dann die Tanzveranstaltungen in den Sälen Maur, Volks und Roos statt, die leider schon um 23:30 Uhr enden mussten. Anschließend verteilte man sich jedoch noch in die Privatheime und feierte bis in die frühen Morgenstunden hinein weiter.

Der Kirmesmontag begann auch 1946 schon mit einer heiligen Messe in der Kirche. Der anschließende Kommers im Saal Maur wurde zu einer gelungen, sehr geselligen Veranstaltung. Viel zur damaligen guten Stimmung trugen die Ehemaligen des Vereins bei, die einige lustige Vorträge vorbereitet hatten. Am Montag Nachmittag begann für die Rheinbrohler Junggesellen dann der eigentliche Kern der Rheinbrohler Kirmes:
Das Königsschießen im Hof des Lokales Roos. Da der Besitz und die Verwendung jeglicher Schusswaffe von der Besatzungsmacht verboten war, musste man mit einer Armbrust auf den Adler anlegen. Nach fast 2,5 stündigem Schießen behielt August Ermtraud die ruhigste Hand und teilte das Federvieh. Nachdem der Königszug die neue Vereinskönigin Emilie Hessler zu Hause abgeholt hatte, brach man wieder in den Saale Maur auf. Die Stimmung im Saal wurde etwas getrübt, da wegen Überfüllung nicht alle Rheinbrohler einen Platz gefunden hatten.

Auch der Kirmesdienstag begann mit einem Gottesdienst. Um 10:00 Uhr feierte man dann den Kommers im Saale Maur. Dieser endetet um 14:00 Uhr, da um 16:00 Uhr der Junggesellenball gefeiert wurde.

Die Nachkirmes konnte auf Grund fehlender Genehmigung nicht mit Zügen und Scheibenkönigsschießen begangen werden. Es gab lediglich einen Abschlussball. Man war sich am Ende jedoch einig wieder einen würdigen Auftakt der Rheinbrohler Kirmes nach dem Krieg gefeiert zu haben.